Mein ganz persönlicher Nationalpark Ranger

Auf Erkundungstour durch das Obersulzbach- und Untersulzbachtal

In kaum einer anderen Region findet man so viele unterschiedliche Lieblingsorte, Kraftplätze und Naturjuwelen wie in der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern. Wasserfälle, einsame Gletscherzungen, Schaubergwerke und die höchsten Gipfel Österreichs tragen das ihre dazu bei, dass hier jeder sein ganz persönliches Abenteuer findet. Von der Familie bis hin zum Bergsteiger, vom Wanderer bis hin zum Hobby-Geologen. Wer einen besonderen Einblick in Österreichs größten und ältesten Nationalpark erleben möchte, der sollte unbedingt einmal mit einem Nationalpark Ranger auf große Erkundungstour gehen. Ein Erlebnis, das man sicherlich nicht mehr vergessen wird. So wie ich nach diesem herrlichen Tag im Sommer...

Mein eigener Ranger

„Servus! Da hast dir ja einen Traumtag ausgesucht!“ Mit einer solch freundlichen Begrüßung kann der Tag ja nur großartig werden. Mit einem breiten Lachen kommt der sonnengebräunte Kerl schnurstracks auf mich zu und reicht mir mit festem Druck die Hand. Da steckt Pfeffer dahinter. Seine Uniform lässt keine Zweifel aufkommen. Das muss er sein, mein Nationalpark Ranger!

Schon lange wollte ich einmal im Sommer hierher kommen, in die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, in den Bergen entspannen und einige Gipfelsiege einfahren. Endlich hat’s geklappt. Im Winter war ich schon oft in der Region und kenne so ziemlich jede Piste, doch auch in der warmen Jahreszeit soll die Gegend unvergleichlich schön und aufregend sein. Wobei das Wort Gegend den Ausmaßen hier kaum gerecht werden wird. Von Krimml zieht sich die Region der Salzach entlang über Mittersill bis nach Bruck, Fusch und weiter nach Embach. Dazu kommen noch Rauris, Gastein, Großarl und sogar Muhr im Lungau. Ich denke mal, bei diesem Angebot aus 19 Ortschaften in 13 Tälern findet wohl jeder die Art von Urlaub, auf die er gerade Lust hast. Mich hat es ganz in den Westen nach Krimml gezogen. Der Name ist ja dank der größten Wasserfälle Europas weit über die Grenzen des SalzburgerLandes hinaus bekannt. Gleich nach dem Check-in in meinem gemütlichen Hotel habe ich mich von deren Kraft und Anmut überzeugen müssen. Unglaublich! Ich kann mich nicht erinnern, wann mich das letzte Mal etwas so in seinen Bann gezogen hat. Auch wenn einem der Mund vor Staunen weit offen steht, sollte man tief einatmen nicht vergessen. Schließlich gelten die Fälle als Naturheilmittel der ganz besonderen Art. 

Nach zwei Tagen des Wanderns durch die Bergwelt oberhalb Krimmls steht heute etwas ganz Besonderes auf dem Programm. Und hier kommt der Ranger ins Spiel, neben dem ich gerade im Wander-Taxi Platz nehme. Gemeinsam wollen wir das Obersulzbachtal und später das Untersulzbachtal in Neukirchen am Großvenediger erkunden. Meine Vorfreude ist kaum in Worte zu fassen. Die Nationalpark Ranger sind ein sehr wichtiger Teil des Nationalparks Hohe Tauern und haben unterschiedlichste Aufgaben. Sie halten Vorträge, führen Wanderungen und Schulprogramme in Volks- und Hauptschulen durch und salopp gesagt, passen sie auf Flora und Fauna des Naturjuwels rund um die höchsten Berge Österreichs auf. Dafür genießen sie eine zwei- bis dreijährige Ausbildung und verfügen nicht nur über naturspezifisches Wissen, sondern auch über pädagogische und didaktische Kenntnisse. Wenn man den Nationalpark gemeinsam mit einem Ranger erkunden möchte, dann kann man sich dafür an die Nationalpark-Verwaltung wenden. Doch auch sonst trifft man immer wieder auf einen von ihnen in ihrem Park. Jetzt aber wieder genug der Theorie!

 

Getroffen haben wir uns in Mittersill, beim Nationalparkzentrum. Da ich etwas zu früh dran war, habe ich mir noch die Nationalparkwelten angesehen. Ein Besucherzentrum zum Anfassen stand da. Ich war sehr gespannt. Normalerweise ist es mir ja wesentlich lieber, die Natur selbst zu entdecken und Museumsbesuche anderen zu überlassen, doch hier wurde ich in der vergangenen Stunde eines Besseren belehrt. Besonders das Adlerflugpanorama, bei dem man die Täler und Gipfel des Parks aus der Vogelperspektive zu sehen bekommt, hatte es in sich. Mit der Nationalpark Sommercard MOBIL in meiner Tasche war der Eintritt in die Erlebnisausstellung frei. Alle Urlaubsgäste, die bei den teilnehmenden Partnerbetrieben in der Ferienregion im Hotel, in der Privatpension, in der Ferienwohnung oder auf dem Bauernhof nächtigen, erhalten mit diesen Karten die Möglichkeit, täglich – auch am Anreise- und Abreisetag – aus 60 Attraktionen zu wählen sowie den öffentlichen Verkehr kostenlos in Anspruch zu nehmen. Gerne!

Obersulzbachtal – im Schatten der weltalten Majestät

Auf der Postalm im Obersulzbachtal angekommen, binden wir uns noch einmal unsere Wanderschuhe, schnallen die Rucksäcke um und marschieren los in Richtung Großvenediger. Der imposante 3.000er am Ende des Tals gilt ja als höchster unter den ‚echten’ Salzburgern. Mit seinen 3.666 Metern und dem stark vergletscherten Hauptgipfel hat er seinen Beinamen, die ‚weltalte Majestät’, mehr als verdient. Das Tal unterhalb entpuppt sich nach und nach als echtes Wanderparadies. Familien lieben es, die spannenden Spielstationen am Venedigerweg zu entdecken, während Wanderfreunde am Gletscherlehrweg bis zum Fuße des ‚Venedigers’ aufbrechen. Unser heutiges Ziel ist die Kürsingerhütte auf über 2.500 Metern.

Hierfür sind wir mit dem praktischen Tälertaxi bis zur Postalm gefahren und marschieren den schönen Hohlweg bergwärts. Immer wieder biegen wir vom Weg ab und mein Ranger zeigt mir allerlei Dinge, die mir sonst verborgen geblieben wären. Spuren der letzten Eiszeit, Pilze, seltene Blumen und Tiere, die sich perfekt zu tarnen wissen, sind nur einige davon. So eine Wanderung mit einem der Ranger öffnet einem einen völlig neuen Blick auf den Nationalpark. Als größter und erster seiner Art nimmt er eine Fläche von 1.800 km² im SalzburgerLand, Tirol und Kärnten ein und besteht seit 1981. In der Kernzone gilt freies Wegerecht für Jedermann und Verbotsschilde wird man hier nicht finden. Trotzdem wird auf den Schutz der Natur und der Tierwelt allergrößter Wert gelegt. Worauf auch die Ranger ein achtsames Auge werfen.

Kurz bevor wir das Ziel unserer Wanderung erreichen, passieren wir noch einen See aus Schmelzwasser, den Sulzsee, in dem sich die Westflanke des Venedigers eindrucksvoll spiegelt. 5 Stunden würde der Aufstieg von hier aus noch dauern, erzählt uns der freundliche Hüttenwirt, als er uns eine Portion Kaiserschmarren und das obligate Skiwasser serviert. Hier könnte man es wirklich den ganzen Tag aushalten. Die Sonne scheint uns ins Gesicht, wir genießen das Panorama auf die Hohen Tauern und beobachten Adler auf ihren hohen Bahnen zwischen den Gipfeln. Doch die Vernunft mahnt bald zum Aufbruch. Schließlich wollen wir heute unbedingt noch ein zweites Tal, das Untersulzbachtal und das Schaubergwerk Hochfeld, besuchen. Doch dazu etwas später. Am Weg zurück zeigt mir mein Ranger dann noch die Hofrat Keller Hütte. Betrieben vom Nationalpark selbst, dient das herrlich renovierte Haus hauptsächlich als Unterkunft bei mehrtägigen Camps und Klausuren in den Bergen. Im Auto bekomme ich dann noch die Geschichte erzählt, wie es denn das Obersulzbachtal bis in die Geschichtsbücher schaffte. Von hier aus wollte nämlich Erzherzog Johann von Österreich 1828 die Erstbesteigung des Großvenedigers unternehmen, wurde jedoch durch einen Lawinenabgang daran gehindert. Soweit die Historie, jetzt aber schnell zurück in die Gegenwart.

Untersulzbachtal – stille Welt des tosenden Wassers

Das Untersulzbachtal zeigt sich von einer ganz anderen Seite als das Paralleltal, aus dem wir gerade kommen. War dieses touristisch erschlossen und konnte eine relativ hohe Dichte an Infrastruktur und Einkehrmöglichkeiten aufweisen, so finden wir uns jetzt plötzlich in der Einsamkeit der Berge wieder. Über Stock und über Stein wandern wir taleinwärts und können uns kaum am Panorama auf den dominanten Kleinvenediger sattsehen. Begleitet werden wir auch hier vom Tosen und Rauschen des Baches. Das Wasser spielt hier generell eine große Rolle und kommt vielerorts über imposante Wasserfälle von den Bergen herunter ins Tal. Der größte von ihnen befindet sich direkt am Eingang ins Untersulzbachtal und nennt sich Sulzbachfall. Bereits vom Salzachtal aus kann man die 200 Meter überwindenden Wassermassen bewundern.

Nachdem wir über den dortigen Rundweg ins Tal gelangt sind, zeigt sich dieses nun von seiner engen, bewaldeten Seite. Über den Geolehrpfad Knappenweg marschieren wir im Schatten der Bäume und erfreuen uns an der reichhaltigen Tier- und Pfanzenwelt. Nach nicht allzu langer Zeit erreichen wir das Schaubergwerk Hochfeld. Hier im Tal wurde seit dem 16. Jahrhundert Kupfer abgebaut, woran hier erinnert wird. Schnell ziehen wir uns Schutzkleidung und Helm an und erreichen gerade noch die nächste Führung. Ca. eine Stunde wandern wir durch den Berg, hören beeindruckende Geschichten aus einem halben Jahrtausend des Bergbaus und sehen die unterschiedlichsten Gesteinsschichten der Hohen Tauern.

Doch nicht nur im Bergwerk, sondern auch an der Knappenwand machte man sich auf die Suche nach wertvollen Bodenschätzen. Als Fundstelle wunderschöner Epidotstufen machte sie von sich reden und lockte immer wieder Mineralienliebhaber in den Pinzgau. Je weiter wir ins Tal vordringen, desto hochalpiner wird sein Aussehen. Grund hierfür ist das Untersulzbachkees, dessen Gletscherzunge von der Venedigergruppe herunterfließt. Nachdem wir die Kernzone des Nationalparks erreicht haben, verlassen wir wieder einmal den Weg und machen es uns etwas erhöht auf einem großen, glatten Stein gemütlich. Unglaublich, wie viele wundervolle Stellen ich heute schon gezeigt bekommen habe, die mir ohne meinen Ranger verborgen geblieben wären. Wir machen Bilder, lassen unsere Füße in das glasklare Wasser eines kleinen Teiches baumeln und lassen uns den mitgebrachten Speck schmecken. Ein würdiger Abschluss eines großartigen Tages.

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