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Faszinierende Einblicke in eine unbekannte Welt

07/15/2016 created by Nationalpark Hohe Tauern

Rössler: Wichtiges Standardwerk zur Artenvielfalt in den Ostalpen fertiggestellt

Ein langjähriges Forschungsprojekt des Salzburger Nationalparkfonds in Kooperation mit der Universität Salzburg wurde nun mit einem Buch über Flechten im Nationalpark Hohe Tauern abgeschlossen. Diese Neuerscheinung gewährt faszinierende Einblicke in eine unbekannte Welt und vermittelt die Forschungsergebnisse auf interessante und ästhetische Weise. Damit wurde ein wichtiges Standardwerk zur Artenvielfalt in den Ostalpen fertiggestellt.

Druckfrisch halten Nationalparkreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler, der Autor Roman Türk, Flechten-Spezialist der Universität Salzburg, und Nationalpark-Direktor Wolfgang Urban die Publikation zu einer der bemerkenswertesten Organismengruppen weltweit in ihren Händen. "Bereits im Jahr 2008 wurde im Auftrag des Salzburger Nationalparkfonds und in Kooperation mit der Universität Salzburg ein langjähriges Forschungsprojekt im Nationalpark Hohe Tauern gestartet", so Astrid Rössler heute, Freitag, 15. Juli. "Es ging darum, die Vielfalt, Lebensraumansprüche und die Verbreitung der Flechten, die wichtige Indikatoren für eine saubere Luft und eine intakte Natur sind, repräsentativ für das Schutzgebiet zu erheben. Mit dem vorliegenden Buch findet dieses wichtige Projekt zur Biodiversität nun einen würdigen Abschluss."

Mehr als 1.000 verschiedene Flechtenarten im Nationalpark

Mehr als hundert Begehungen und 10.000 dokumentierte Einzelfunde stecken in diesem umfangreichen Werk, das in der Reihe der Wissenschaftlichen Nationalpark-Schriften herausgegeben wird.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Wusste man bislang nicht, wie viele und welche Flechten wo vorkommen, so förderte das systematische Vorgehen der Wissenschafter von den Talböden bis zu den Gipfellagen quer durch alle Lebensräume des Schutzgebietes mehr als 1.100 verschiedene Flechtenarten zutage. Das ist knapp die Hälfte aller in Österreich bis jetzt nachgewiesenen Flechten. Und im Vergleich zu allen anderen Pflanzenarten im Nationalpark einschließlich der Moose und Farne macht diese Artengruppe allein mehr als ein Drittel aus. Dies ist die bisher höchste Artenzahl, die in Nationalparks in Österreich und Deutschland festgestellt wurde.

Drei Neuentdeckungen für Österreich

Darüber hinaus erbrachte das Forschungsprojekt zehn Neufunde, also Nachweise von Arten, die in dem jeweiligen Bundesland noch nie vorher gefunden worden waren. In drei Fällen waren die Entdeckungen sogar neu für Österreich.

An die 300 brillante Farbfotos erlauben nun einen detaillierten Blick auf einen bislang unbekannten Kosmos einer außergewöhnlich schönen und mannigfaltigen Lebensform. "Flechten sind keine Pflanzen im herkömmlichen Sinn", erklärt Roman Türk, "Flechten sind eine Lebensgemeinschaft von Pilzen, Algen und – wie erst vor kurzem entdeckt wurde – Bakterien. Zwei grundverschiedene Lebewesen haben sich im Lauf der Evolution zu einer lebenslangen Gemeinschaft vereinigt – jeweils die Vorteile des anderen nutzend."

Forschungspraxis im "größten Freiluftlabor"

Die Universität Salzburg ist eng mit dem Nationalpark Hohe Tauern verbunden. Sie vertritt das Land Salzburg sowohl im Fondsbeirat als auch im Kuratorium, stellt ein Mitglied im internationalen Wissenschaftlichen Beirat und strebt gemeinsame Projekte vor allem im Bereich der Auszubildenden an. "Masterarbeiten und universitäre Kurse, die mit der Nationalpark-Verwaltung abgestimmt werden, können neben organisatorischer Unterstützung auch finanzielle Förderung erhalten. Der Nationalparkverwaltung ist es ein Anliegen, dass die naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die auf der Universität vermittelt werden, auch praktisch im 'größten Freiluftlabor' direkt vor der Haustür in den Hohen Tauern erprobt werden können", betont Wolfgang Urban.

Informativer Begleiter für Wanderungen

So auffällig geformt oder leuchtend gefärbt Flechten sein können, so häufig werden sie auch übersehen. Das vorliegende Werk bietet daher unterschiedliche Zugänge in allgemeinverständlicher Sprache und attraktiver Aufmachung. Von den Wuchsformen über ausführliche Beschreibungen zu den bisweilen außergewöhnlichen Lebensweisen bis hin zu den typischen Lebensräumen wird der Blick für die relevanten Details geschärft. Mit diesem Buch im Rucksack kann die nächste Wanderung im Nationalpark zu einer spannenden Schatzsuche werden. Eine vollständige Artenliste und weiterführende Literatur runden diese Arbeit ab.

Das im Tyrolia Verlag erschienene Buch kann um 16,90 Euro zuzüglich Versandkosten in der Nationalpark-Verwaltung Salzburg telefonisch oder per E-Mail bestellt werden: Telefon 06562 40849-0 oder E-Mail nationalpark@salzburg.gv.at.

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