VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg für Nationalpark Sommercard Mobil

08.09.2017 erstellt von Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern

„Silber“ für Salzburg Research und Navya für selbstfahrenden Bus sowie für Universität Salzburg für Planungsmethode „Urban Emotions“


VCÖ (Wien / Salzburg, 8. September 2017) – Der Verkehr ist das größte Sorgenkind beim Klimaschutz. Wie der Verkehr auf Klimakurs gebracht werden kann, zeigen drei vorbildliche Projekte, die heute mit dem VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg ausgezeichnet wurden. Der Gesamtsieg ging an die „Nationalpark Sommercard Mobil“ Hohe Tauern, „Silber“ beim VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg ging heuer an die Verkehrsplanungsmethode „Urban Emotions“ und an den selbstfahrenden Elektro-Bus, der derzeit in einem Forschungsprojekt in Kappl eingesetzt wird.

 

„Der Tourismus ist für das Land Salzburg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sichert viele Arbeitsplätze. Die Gäste genießen die unberührte Natur, die Schönheit der Landschaft. Autokolonnen, gesundheitsschädliche Abgase und Verkehrslärm schaden der Gesundheit und gefährden auch den touristischen Erfolg. Umso wichtiger ist es, den Freizeit- und Tourismusverkehr verstärkt vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest.Landesrat Hans Mayr: „Als Verkehrslandesrat steht die Multimodalität, das heißt die selbstbestimmte Nutzung der Angebote des öffentlichen Verkehrs und des Individualverkehrs, im Fokus meiner Arbeit. Dieser Wunsch nach der freien Wahl der Verkehrsmittel ist auch ein wichtiger Bestandteil des Landesmobilitätskonzepts salzburg.mobil 2025. Durch die ständige Optimierung des Öffentlichen Verkehrs sollen die Menschen zum Umstieg auf nachhaltige Mobilitätsformen motiviert werden. Dies trifft natürlich auch im besonderen Maße im Freizeit und Tourismusbereich zu.“

Allein im vergangenen Sommer gab es in Salzburg 12,6 Millionen Übernachtungen, drei Viertel von Gästen aus dem Ausland. Im heurigen Juni und Juli war die Zahl der Übernachtungen um fünf Prozent höher als in den Vergleichsmonaten des Vorjahres.Gerade Gäste aus den Großstädten Deutschlands genießen die Natur im Land Salzburg. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Europa in den Großstädten immer mehr Haushalte kein eigenes Auto haben. Um die wichtige Zielgruppe der Städter auch in Zukunft für den Tourismus gewinnen zu können, braucht es gute autofreie Mobilitätsangebote im Land Salzburg“, betont VCÖ-Experte Gansterer.In den Innenbezirken Berlins haben 53 Prozent der Haushalte kein Auto, in Basel sind sogar 55 Prozent der Haushalte autofrei und in Zürich 48 Prozent, weist der VCÖ auf drei Beispiele aus den Nachbarstaaten hin. In Wien haben 45 Prozent der Haushalte kein eigenes Auto. Für einen auch in Zukunft attraktiven Tourismusstandort sind ein gutes öffentliches Verkehrsangebot und die gute Erreichbarkeit von Freizeitzielen mit Bahn oder Bus sehr wichtig, betont der VCÖ. Auch das Potenzial von Fahrrad und Elektro-Fahrrädern ist durch eine gute Infrastruktur für den Radverkehr sowie ausreichend Verleihmöglichkeiten noch stärker zu nutzen. Ein vorbildliches Beispiel für ein klimaverträgliches Mobilitätsangebot für die Urlaubsgäste ist die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern.

VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg für Nationalpark Sommercard Mobil
Der Gesamtsieg beim diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg geht an die „Nationalpark Sommercard Mobil“. Der VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg zeichnet vorbildliche Projekte für eine umweltverträgliche Mobilität aus und wird vom VCÖ in Kooperation mit dem Land Salzburg und den ÖBB durchgeführt und vom Salzburger Verkehrsverbund unterstützt. „Es ist mir eine besondere Freude, den VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg in Kooperation mit dem VCÖ überreichen zu dürfen.. Ich möchte den heutigen Preisträgern herzlich gratulieren, denn sie beweisen mit ihren innovativen Projekten, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden“, so Landesrat Hans Mayr. ÖBB-Postbus Regionalmanager Peter Schmolmüller betont: „Als ÖBB-Postbus unterstützen wir sehr gerne kreative und sanfte, nachhaltige Mobilitätslösungen, die auch wir mit unseren Bussen im Tourismus- und Freizeitsektor verstärkt anbieten.

“Von 1. Mai bis 31. Oktober erhalten die Urlaubsgäste der Region Hohe Tauern die „Nationalpark Sommercard Mobil“. Diese beinhaltet einerseits den kostenlosen Eintritt für mehr als 60 Attraktionen in der Region und andererseits die kostenlose Nutzung der Pinzgauer Lokalbahn,der Postbusse zwischen Königsleiten und Rauris, die Wandertaxis im Dürnbachtal, Mühlbachtal, Habachtal und Seidlwinkltal sowie für einen Tag einen kostenlosen E-Fahrrad-Verleih inkludiert. Allein im Vorjahr wurden durch die Karte mindestens 30.000 Autofahrten mit insgesamt rund 900.000 Kilometern vermieden. Der Geschäftsführer der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern nahm den VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg von Landesrat Hans Mayr, VCÖ-Experten Markus Gansterer und ÖBB-Postbus Regionalmanager Peter Schmolmüller entgegen.

„Silber“ beim VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg für Navya und Salzburg Research„Wenn die heute geborenen Kinder erwachsen sind, werden selbstfahrende Fahrzeuge bereits fixer Bestandteil des Straßenbildes sein. Die Frage ist, in welcher Form“, stellt VCÖ-Experte Gansterer zur zukünftigen Entwicklung der Mobilität fest. Salzburg ist bei der Forschung für selbstfahrende Fahrzeuge im Öffentlichen Verkehr Österreichs Vorreiter. Seit Mai dieses Jahres wird ein selbstfahrender Kleinbus des französischen Herstellers Navya in der 3.400 Einwohner-Gemeinde Koppl im Flachgau getestet. Bis Anfang September wurden bereits rund 200 Testfahrten mit rund 750 Fahrgästen absolviert.Als Ergänzung des Linienverkehrs können selbstfahrende Elektro-Kleinbusse vor allem auch in den Regionen einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz des Verkehrs leisten.Etwa für die Fahrt vom Bahnhof oder wie in Koppl von der Haltestelle des Linienbusses ans endgültige Ziel beziehungsweise von zu Hause zum nächstgelegenen Bahnhof.

In Koppl liegt das Ortszentrum 1,4 Kilometer von der Haltestelle des Linienbusses 150 von Salzburg nach Bad Ischlentfernt. Damit diese Kleinbusse in Zukunft erfolgreich eingesetzt werden können, die ist heute durchgeführte Forschung unverzichtbar. Die ersten Testergebnisse zeigen sehr gut, was schon heute gut funktioniert und wo es noch Verbesserungen braucht.Die Rückmeldungen der Fahrgäste waren überwiegend positiv. Die Mehrheit fühlte sich sicher,das Fahrerlebnis wurde von den meisten als gut bis sehr gut bezeichnet. Überrascht wurden die Testpersonen von den starken, teilweise ruckartigen Bremsungen, wenn der selbstfahrende Digibus ein Hindernis erkennt. Gerade in ländlichen Gebieten haben sich außer dem Positionierung und Umgebungserkennung als große Herausforderungen herausgestellt.

Der Minibus, Modell Navya Arma DL 4, ist 4,75 Meter lang, 2,11 Meter breit und 2,65 Meterhoch. Er wird mit einem Elektromotor angetrieben. Die Batterien reichen für 10 bis 13 Stunden,die Ladezeit beträgt sechs Stunden. Im Testbetrieb sind 20 km/h erlaubt. Höchstens elf Personen haben Platz, neun Personen im Testbetrieb. Bisher belaufen sich die Stückkosten noch auf 200.000 Euro, mit steigender Produktion wird der Preis sinken. Der Bus wird bereits in Australien, USA, Singapur, Frankreich und Deutschland verwendet.Den VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg nahmen Frederic Sartou von Navya und Forschungsleiter DI Dr. Karl Rehrl von Salzburg Research entgegen.„Silber“ beim VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg auch für „Urban Emotions“Ziel dieses Projekts ist die stärkere Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Verkehrsplanung für eine klima verträglichere Mobilität. Das interdisziplinäre Projekt „Urban Emotions“ wurde bereits in Kaiserslautern und in Boston umgesetzt. Über tragbare Sensoren, wie etwa Brustgurte, Armbänder werden Herzschlag und Körpertemperatur gemessen. Erlebt die radfahrende Person eine Gefahrensituation wird dies durch die Messung der Körperemotion sichtbar. Umgekehrt wird auch sichtbar, wo sich beispielsweise Radfahrende oder Gehende wohlfühlen. Diese Ergebnisse fließen dann in die konkrete Mobilitätsplanung ein. Auch Apps werden eingesetzt. In Kaiserslautern führte der Einsatz dieser Methode zu konkreten Verbesserungen bei der Radfahrinfrastruktur. In Boston konnten mit dieser Methode zusätzliche Gefahrenstellen im Radwegenetz identifiziert werden. Für die Stadt Salzburg ist bereits eine großflächige Studie geplant.

Den VCÖ-Mobilitätspreis Salzburg nahm Ass.-Prof. Dr. Bernd Resch von der Universität Salzburg entgegen.„Das Klimaziel von Paris bedeutet, dass der Verkehrsbereich bis zum Jahr 2050 vom Erdöl unabhängig sein muss. Der Ausstieg aus fossiler Energie ist nötig, um die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, um massive Schäden infolge von Klimakatastrophen zu verhindern. Wir sind die letzte Erwachsenen-Generation, die die Klimakrise bremsen kann. Im Interesse der zukünftigen Generationen haben wir diese Verantwortung wahr zunehmen“, spricht sich VCÖ-Experte Gansterer für verstärkte Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr aus.

Mehr Informationen zum ausgezeichneten Projekt: www.vcoe.at

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